Dispokinesis

 

 

G.O. van de Klashorst entwickelte in den 1940er Jahren die "Urgestalten von Haltung und Bewegung"  und nannte das Fachgebiet Dispokinesis. Dispokinesis ist eine Wortschöpfung aus  " disponere“  (lt. zur Verfügung haben) und dem griechischen Wort „ kinesis“ (Bewegung):

Der Musiker als Bewegungskünstler möchte jederzeit frei über seine Bewegungen und somit seine musikalische Ausdruckskraft verfügen können.
Dies zu erreichen bzw. zu erhalten ist das Ziel in der dispokinetischen Arbeit.

 

Die Dispokinesis beschäftigt sich in therapeutischer Hinsicht mit allen Beschwerden oder Hemmnissen, die Musiker daran hindern, sich musikalisch so auszudrücken wie es ihrer inneren Vorstellung entspricht.

Beschwerden oder Hindernisse können sein:

       -        Jede Art von Schmerzen und Verspannungen

       -        Auftrittsängste

       -        Atemprobleme

       -        Ansatzprobleme

       -        Fehlender Erfolg beim Üben

       -        Anstrengung und daraus folgend Ermüdung beim Musizieren

       -        Ausdruckshemmung

       -        Nicht zu erreichende Klangvorstellung

 

       Arbeitsweise

 

Die Urgestalten, es sind etwa 40  Übungen, vollziehen die Aufrichtung des Menschen noch einmal nach. Dabei wird die Aufmerksamkeit für den eigenen Körper, die eigenen ursprünglichen Bewegungen geweckt und ein verfeinertes Körper-und Bewegungsgefühl entsteht. Schließlich werden die Übungen in Bezug zum Instrument oder der Stimme gesetzt.
Neben den Urgestalten werden gegebenenfalls auch feinmotorische Übungen angewendet, die ebenfalls in der Dispokinesis entwickelt wurden. Auch ergonomische Hilfen sowohl fürs Sitzen als auch für das Instrument werden angepasst. Das Instrument wird so gut wie möglich auf den Körper abgestimmt.

Die Dispokinesis stülpt keine neuen Weisheiten über. Immer ist der „Schüler“ der Handelnde. Der Dispokineter leitet den Schüler an, seine Bewegungen aufs Feinste mit sich selber abzustimmen, ernst zu nehmen und zu benennen. Dadurch lernt der Musiker, dieses Gefühl  im entscheidenden Moment wieder aufrufen zu können. So entsteht Kompetenz für sich selbst. Die Frage, was ist richtig, wird überflüssig: Richtig ist das gute Gefühl, der gewünschte Klang, der gelungene musikalische Ausdruck.

Dispokinesisunterricht findet als Einzelunterricht in regelmäßigen Abständen statt.

 

Dispokinesis als Prävention

Mehr und mehr ist in den letzten Jahren der präventive Ansatz der Dispokinesis in den Vordergrund gelangt. Die Entwicklung und Erhaltung der musikalischen Ausdrucksfähigkeit  des Musikers wird hier gefördert. Dispokineter (Dispokineter sind Musiker und Musiklehrer) lehren an Hochschulen oder tragen ihr Wissen in Workshops oder im Dispokinesisunterricht an Instrumentallehrer weiter.

 
Der dispokinetische Gedanke  im Instrumentalunterricht

 

Von Anfang an wird im Instrumentalunterricht der Fokus auf das Zusammenspiel von Haltung und Bewegung gelegt. Eine physiologische Haltung erleichtert das Instrumentalspiel auf wunderbare Weise und zwar in klanglicher Hinsicht ebenso wie in spieltechnischer Hinsicht. Eine dynamische Haltung führt zu frei fließenden Atem und und damit zu feinmotorischen Bewegungen.
Das für den Einzelnen stimmige Haltungsgefühl zu finden geschieht auf spielerische Art und immer im Dialog mit dem Schüler. Zuerst kommt das Fühlen - wie stehe ich da, wie fühle ich mich...? - dann kommt das Spielen. Das musikalische Ergebnis spricht für sich.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.dispokinesis.de

 

Mitglied der Europäischen Gesellschaft für Dispokinesis, EGD

Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin, DGfMM